Aufruf

Aufruf an die Jägerschaft: Speichelproben gesucht!

Lesezeit: 2 Minuten

Worum geht es?

Für eine Studie zur Verdauungsphysiologie von Wildwiederkäuern ruft die LMU München zur Entnahme von Speichelproben im Rahmen der Jagdausübung auf!

Hintergrund der Studie

Dass die Mitarbeit der Jägerschaft für wissenschaftliche Projekte oft unverzichtbar ist, zeigt eine kürzlich gestartete Studie der LMU München zum Phosphorgehalt im Speichel von wiederkäuendem Schalenwild.

Bei Wiederkäuern wie Reh-, Rot- oder Damwild spielt Phosphor in der Vormagenverdauung eine wichtige Rolle, da die Pansenmikroben eine optimale Phosphorversorgung für ihre Vermehrung und die Fermentation der Nahrung benötigen. Nur so wird eine ausreichende Bereitstellung von Energie und Protein für den Wiederkäuer gewährleistet.

Es gibt allerdings auch innerhalb der verschiedenen Arten der Wiederkäuer unterschiedliche Typen, die an bestimmte Nahrungsquellen angepasst sind und sich in der funktionellen Anatomie ihres Magen- Darm-Traktes unterscheiden: Die „Grazer“ („Rauhfutter- oder Grasfresser“, zum Beispiel Rinder) fressen hauptsächlich Gras und damit sehr faserreiches Material, das intensiv wiedergekäut werden muss, während die „Browser“ („Konzentratselektierer“) ihre pflanzliche Nahrung stärker auf energiereiche und leichter verdauliche Komponenten wie z.B. Blätter und junge Triebe hin selektieren. Ein Beispiel für eine Browser-Spezies ist das Rehwild, während die meisten anderen heimischen Wildwiederkäuer sog. „Intermediate feeder“ („Mischtypen“, zwischen Grazer und Browser) sind. Letztere können sich wechselnden Nahrungsgegebenheiten gut anpassen.

Konzentratselektierer: Laub- und Krautfresser / Intermediärtypen = Mischtypen: Laub- u. Krautfresser bis Grasfresser / Rauhfutterfresser: Grasfresser. Quelle: Hofmann, 1982

Bei Hauswiederkäuern konnten Unterschiede im Phosphorgehalt im Speichel beobachtet werden. Es liegt zudem bislang eine Studie vor, die sich mit der Speichelproduktion von Wildwiederkäuern befasst hat; hier wurde bei Damwild („Mischtypen“/ Intermediate feeder) ein 6-fach höherer P-Gehalt im Speichel als bei Hausschafen („Grasfresser“ / Grazer) gezeigt. Der Phosphorgehalt im Speichel von Rehwild („Kozentratselektierer“ / Browser) lag knapp beim Doppelten von dem des Schafes. Als Ursache für die höhere P-Sekretion im Speichel bei den Intermediate feedern werden Unterschiede im Knochenstoffwechsel zwischen den beiden Speziesgruppen vermutet, die sich im Calcium- und P-Haushalt niederschlagen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Wildwiederkäuer aus der Gruppe der Intermediate feeder effizienter im P- Rezyklisieren sein könnten als die anderen Wiederkäuer-Typen, was zu dem bei Ziegen und Damwild beobachteten höheren Speichel-P-Gehalt passen würde.

Um diese Hypothese mit weiteren Daten überprüfen zu können, soll der Phosphorgehalt im Speichel von Wildwiederkäuern der Typen Grazer, Browser und Intermediate feeder bestimmt und die Spezies miteinander und mit Hauswiederkäuern verglichen werden.

Probennahme durch Jagdausübende

Die Mitwirkung der Jägerschaft ist für diese Studie besonders wichtig, da Wildwiederkäuer für die Beprobung am lebenden Tier durch Wissenschaftler nicht zugänglich sind.

Zu beproben sind im Allgemeinen:
Rehwild, Rotwild, Damwild, Sikawild, Steinwild, Gamswild.
Rehwildproben sind bereits ausreichend vorhanden. Dieser Aufruf richtet sich deshalb insbesondere an Jägerinnen und Jäger, die die aufgeführten Hochwildarten beproben können!

Beprobungszeitraum:
Bis 1. November 2020

Vorgehen:
Fotos: Sophia Lorenzoni (mit freundlicher Genehmigung des LJV Baden-Württemberg)

Die Probe wird unmittelbar nach dem Erlegen, noch vor dem Aufbrechen, genommen.
Entnahme des Tupfers aus dem Proberöhrchen. Wichtig: Darauf achten, dass der Tupfer nicht verunreinigt ist.
Die Beprobung an der Wangeninnenseite kann nur dann erfolgen, wenn der Äser sicher frei von Schweiß ist. Der Tupfer sollte so viel Speichel wie möglich aufnehmen, damit im Labor genügend Probenmaterial ankommt.
Alternativ kann die Beprobung über den Schlund erfolgen. Dazu wird dieser ca. 5cm unterhalb des Kehlkopfes mit einem Schnitt eröffnet. Anschließend erfolgt die Probeentnahme mit dem Tupfer, indem man diesen an der Innenseite des Schlundes entlang streicht.

Probenahme-Sets können bei Bedarf angefordert werden. Auf dem Probenbegleitschein wird die Vorgehensweise für die Entnahme nochmals genau erläutert.

Ansprechpartner:
Marion Kiechle (Durchführung)
mobil: 0176-34567373
email: marion.kiechle@campus.lmu.de

Linda Böswald (Studienleitung)
email: linda.boeswald@lmu.de

Weitere Informationen:
LMU München, Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik

Quelle: JAGD in Baden-Württemberg, 06/2020, Seite 8-10

Beitragsfoto: Erik Karits, pixabay.com

0 Kommentare zu “Aufruf an die Jägerschaft: Speichelproben gesucht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.