Vegetarierin und Jägerin – Das geht nicht? Es geht doch.

Vermeintliche Widersprüche haben mich nicht davon abgehalten, das zu tun, wofür mein Herz brennt: zur Jagd zu gehen. Als Tierliebhaberin treibt mich vor allem die bewusste Auseinandersetzung mit unserem unreflektierten Fleischkonsum an. Unser widersprüchliches Verhältnis zu den Tieren wirft viele Fragen auf, auf die ich in meiner jagdlichen Tätigkeit überzeugende Antworten und Argumente finde. Mittlerweile habe ich seit 12 Jahren den Jagdschein. Meine Passion gilt der Bergjagd – Als Schweizerin hat man die Liebe zur Bergwelt wohl mit der Muttermilch aufgesogen. Natürlich werde ich hie und da belächelt, weil einige nicht nachvollziehen können, wie man jagen kann, aber auf den genussvollen Verzehr des hochwertigen Wildbrets verzichtet. Mein persönliches Verständnis der Jagd ist weiter gefasst und es gibt viele Aspekte, die für mich die Sinnhaftigkeit meines Wirkens als Jägerin ausmachen: Der Respekt, die Liebe und Wertschätzung für unsere Wildtiere und die Natur, das Bewusstsein und die Akzeptanz für den selbstverständlichen Kreislauf von Leben und Tod, die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen und das Bestreben, nachfolgenden Generationen diese Schönheit weiterhin zugänglich und erlebbar zu erhalten, sind nur einige davon.

Für die Jagd im gesellschaftspolitischen Kontext hege ich besonderes Interesse. Um die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen besser zu verstehen, habe ich mich in Wien an der Universität für Bodenkultur (BOKU) zur akademischen Jagdwirtin ausbilden lassen. Jagd und Wissenschaft stehen in einer symbiotischen Beziehung, von der beide Seiten profitieren. In den zwei Jahren meines Studiums habe ich mich intensiv mit der Jagd in den sozialen Netzwerken auseinandergesetzt und dazu meine Abschlussarbeit geschrieben. Die Dringlichkeit und Relevanz dieser Thematik haben zu einem vertieften und vielfältigen Engagement in diesem Bereich geführt. Ich befürworte ausdrücklich einen konstruktiven Dialog mit allen Interessengruppen. Besonders der Diskurs mit interessierten, aber auch skeptischen Nichtjägern liegt mir am Herzen. Dass ich selber zwar Wildbret generiere, es aber nicht esse, hat sich dabei schon öfters als kommunikative Brücke erwiesen. Ich lade alle dazu ein, ihr Wissen, ihre Fragen und ihre Erfahrungen in die Diskussion miteinzubringen.